Zu Gast bei Ritter St. Georg
Das Original Wirtshausschild des Ritters weist den Weg zum Zehrhaus der Gruppe Paravicini im Hof des Anwesens Marktplatz 11.
Entgegen der Auffassung vieler Fremder, handelt es sich hierbei nicht um eine ständige Einrichtung eines Freiluftzehrhauses, sondern nur um das Wiederaufleben einer alten Tradition. Und das nur für drei Tage im Jahr.
Wichtig für Bretten waren die Geleitstraßen, die durch die Stadt führten. Die wichtigste Straße war die als „untere Nürnberger Straße“ bekannt Fernverbindung von Nürnberg nach Straßburg. Auf diesen Verkehrswegen bewegten sich neben den großen Wagenzügen auch einzelne Kaufleute, Krämer, Boten und Pilger, da diese verhältnismäßig sicher waren. Die jeweiligen Besitzer der Territorien durch die Wege führten, waren durch das Geleitsrecht verpflichtet, den Fernreisenden Schutz gegen Wegelagerer zu bieten. Entsprechende Gebühren und Zölle wurden erhoben. Das Geleit wurde auf Anforderung gewährt und in täglichen Reiseabschnitten durchgeführt, wobei Mittagrast und Nachtherberge festgelegt waren. Diese Plätze mußten solche Orte sein, in denen Personen und Waren vor fremden Zugriffen gesichert waren, also befestigte Städte. Von Kaufmannszügen aus Schwaben ist bekannt, daß im Reiseplan als Mittagrast Bruchsal und als Übernachtungsrast Bretten oder umgekehrt, festgelegt war.
Die Gastherbergen in Bretten entstanden ungefähr mit Erhebung zur Stadt im Jahre 1148. Sie waren nicht Haupterwerb der Besitzer, sondern diese betrieben daneben meist eine Landwirtschaft oder eine Brauerei. Der Betrieb war in jedem Fall von einer herrschaftlichen Erlaubnis abhängig. Die Herbergen hatten das Recht, aber auch die Pflicht, Reisende mit Fuhrleuten und Begleitmannschaft aufzunehmen und zu verköstigen und Ställe für die Unterbringung der Pferde bereitzuhalten.
Der Tradition folgend, wird die Gruppe Zehrhaus Paravicini 1504 e.V. auch in diesem Jahr sein Zehrhaus „Zum Ritter St. Georg“ öffnen.
In diesem Anwesen befand sich nachweislich über Jahrhunderte hinweg eine Gastherberge, sowie später eine Posthalterei. Über viele Jahrzehnte hinweg, wurde dieses gastliche Haus von Mitgliedern der Familie Paravicini geleitet. Das Schwanenwappen, das Hauswappen der Paravicini ist noch an diesem Anwesen zu sehen. Die Familie wandert aus dem damaligen Schweizer Veltlin nahe des Comer Sees ein. Sie wurden aus Glaubensgründen vertrieben. Es muß sich allerdings um eine sehr angesehene und wohl auch vermögende Großfamilie gehandelt haben, da kurze Zeit nach ihrem Hiersein, bereits einige wichtige Gebäude in der Innenstadt von Mitgliedern erworben wurden. Über Jahre hinweg stellte so diese Familie mehrere Gastwirte, und sogar einen Bürgermeister. Die Familie ist über weite Bereiche mit der Geschichte dieser Stadt verbunden.
Wie im Mittelalter, betreiben auch die Paravicini das Zehrhaus nur im Nebenerwerb und nur für die drei Tage des Peter-und-Paul-Festes.
Allerdings haben sie keinen Bierbrauer oder Landwirt unter Ihren Mitgliedern, dafür sonst fast alle Berufsgruppen. Die herrschaftliche Erlaubnis zum Betreiben des Zehrhauses mußte, wie bei den Vorfahren, erst trefflich verdient werden.
Die im Gefolge der Kaufmanns- und Reisezüge angeschlossenen Spielleute und Gaukler werden die Gäste aufs trefflichste unterhalten.
